MEHR SEIN UND TUN, STATT MEHR HABEN

Frau_DurchblickLetztens hatte ich einen wirklich schlechten Tag – ich fühlte mich zu unsportlich, zu doof, zu ungeduldig, zu unfreundlich und zu wenig geliebt. Solche Tage sind ätzend, aber manchmal haben sie auch etwas Gutes. An solchen Tagen zerfließe ich nur so in Selbstmitleid und bin plötzlich davon überzeugt, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt, wieder gute Laune zu bekommen. Neue Schuhe. Neue Bücher. Und alles ist wieder gut. Das klappt auch.

Jedenfalls bis ich die Tüten zu Hause auspacke. Dann ist der Zauber vorbei. Ganz plötzlich. Ja, die Bücher sind toll, die Schuhe schick. Aber sie machen mich nicht zufriedener. Irgendwie ist mir das ja sowieso klar, aber warum falle ich trotzdem ab und an wieder auf die Ich-tröste-mich-mit-Sinnloskäufen-Anfälle herein?

Weil es so bequem ist, wäre ja auch wirklich einfach, wenn das klappen könnte. Tut es aber nicht. Bei mir jedenfalls nicht. Und ich bezweifle, dass andere Menschen tatsächlich glücklicher durch Dinge werden, die sie kaufen. Aber was macht eigentlich glücklich? Manchmal ist es gar nicht so einfach, eine Antwort darauf zu finden. Vor allem, wenn mit dem Gefühl kein flüchtiger Glücksmoment gemeint ist (so großartig diese kleinen Momente auch sind), sondern ein Gefühl, das den alltäglichen Stress, die Hektik und Eile für eine Weile vergessen lässt.

Früher kam ich in diesen Zustand, wenn ich mit meinem Pferd beschäftigt war und durch den Wald ritt. Heute klappt es meist, wenn ich mir Zeit schenke und einfach nur Musik höre und in meinem Sitzsack liege, ein Buch lese und meinen Lieblingskaffee trinke, meine Gedanken aufschreibe oder etwas vor mich hinkritzele. Und manchmal finde ich auch, nichts tun, nichts denken, nichts hören schön. Einfach still sein.

Trotzdem weiß ich, dass die nächste Versuchung bestimmt bald wieder kommt – mich mit Dingen zu trösten. Schön können sie ja schon sein, diese Dinge.

Vielleicht erleichtern sie unser Leben auch manchmal, aber mittlerweile finde ich sogar oft, dass sie es eher komplizierter machen. Die Wohnung wird unübersichtlicher und die Kinder sind überdreht oder gelangweilt im vollen Kinderzimmer.

SCHRITT FÜR SCHRITT WENIGER ZEUG

Ich fühle mich meist im Urlaub besonders wohl – nicht nur, weil es dort schön und entspannt ist, sondern, weil ich dort nicht so viel Zeug habe. Alles ist auf das Wesentliche reduziert, ohne dass ich mich als Genussmensch übermäßig einschränken müsste. Die Kinder begnügen sich mit wenig Spielzeug und sind kreativer, wenn es darum geht neue Spiele zu erfinden. Ich selbst fühle mich befreit, wenn ich nicht so viele Dinge um mich habe. Ich kann klarer denken und nehme mir mehr Zeit einfach zu sein. Warum miste ich nicht einfach mal kräftig aus? Ja warum eigentlich nicht? Warum nicht gleich? Wenigstens ein bisschen – so Schritt für Schritt? Dann sieht es im Frühling schon gleich viel luftiger aus. Da könnten auch einige Bücher weg…

IMG_5396Ich hätte ja gern so einen schönen Bücherschrank bei uns auf der Straße, wo alle Leute ihre Bücher reinstellen können, die sie nicht mehr brauchen. Andere kommen und nehmen, was sie lesen möchten. Es stehen aber nur besondere Bücher dort und in jedem Buch liegt ein Zettel mit einem kurzen Statement von jedem Leser – wie wunderbar wäre das? Vielleicht mache ich das tatsächlich mal….

WENIGER GELD BRAUCHEN, WENIGER ARBEITEN MÜSSEN.

Klingt irgendwie zu einfach? Aber auch ein bisschen machbar, vielleicht… Wenn wir weniger Dinge kaufen, verbrauchen wir weniger Geld. Wenn weniger Geld brauchen, könnten wir vielleicht ein paar Stunden weniger arbeiten, oder wir können uns einen Job suchen, der uns etwas bedeutet. Dann haben wir mehr Zeit für Aktivitäten, die uns wirklich Spaß machen. Und ich meine jetzt Aktivitäten, die kaum oder gar kein Geld kosten. Bücher aus der Bibliothek lesen, mit unseren Kindern Fußball im Park spielen, wieder mehr schreiben oder zeichnen, Musik machen, im Wald spazieren gehen. Klingt irgendwie naiv, oder?

Natürlich brauchen gerade Familien ausreichend Geld – für die Wohnung, den Sportverein der Kinder, für gutes Essen, Medikamente, einen leckeren Wein und einen tollen Urlaub. Aber würden wir nicht alle ein paar Ausgaben finden, die wir mit gutem Gewissen streichen könnten? Ich glaube, wenn wir mehr Zeit haben für Dinge, die wir einfach sehr gern tun, dann haben wir gar nicht mehr das Bedürfnis immer mehr zu kaufen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber ein erster Schritt in die richtige Richtung kann Wunder wirken. Überleg Dir doch mal, was Du von Herzen gern mal wieder tun würdest. Was hast Du z.B. als Kind oder Jungendliche gern gemacht? Geschichten erfunden, Bilder gemalt, stundenlang in der Badewanne gelegen, Musik gehört und dazu laut und falsch mitgesungen, ein Instrument gespielt? Was auch immer es war, mach es doch mal wieder oder probiere etwas ganz Neues aus – was auch immer Dir Freude macht, tu es wenigstens einmal und schau, wie es Dir dabei geht, frei nach dem Motto MEHR LEBEN, MEHR ZEIT, MEHR ICH.

Inspirierendes zum Weiterlesen:

Schöner Artikel zu acht Dingen, die Dir keiner mehr nehmen kann. http://mymonk.de/8-dinge-die-dir-niemand-mehr-nehmen-kann/

Schöne Seite übers Zeitschenken: http://www.zeit-statt-zeug.de/de/

DEIN 30-TAGE-JOURNAL

Mach Deine Erfolge sichtbar!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *